Tüfteln und Knobeln, Erkunden und Experimentieren
Tecnopedia, ein neues Internetportal der IHK-Organisation, bringt die Technik-Praxis in die Schule
Berlin/Darmstadt - November 2008.
Man hat mal über die Deutschen gesagt: „Wenn man einen Deutschen mit ein paar Konservendosen in den Urwald jagt, kommt er mit einer Lokomotive wieder heraus.“ Davon sind wir momentan leider himmelweit entfernt. In Deutschland fehlen Ingenieu¬re. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat errechnet, dass gegenwärtig etwa 70.000 offene Stellen nicht besetzt werden können. Die OECD prognostiziert, dass in Deutschland der Nachwuchs nicht ausreicht, um die aus dem Arbeitsleben ausscheidenden Ingenieure zu ersetzen. Und auch in der dualen Ausbildung zeichnet sich in den gewerblich-technischen Berufen ein Nachwuchsmangel ab.
Die Berufsperspektiven für technische Fachkräfte und Ingenieure sowie für Naturwissenschaftler sind heute so günstig wie nie. Aber der Nachwuchs lässt auf sich warten. Die IHKs leisten deshalb mit ihrem neuen Internetportal www.ihk-tecnopedia.de einen Beitrag, die naturwissenschaftlich-technische Bildung schon in der Schule besser zu fördern.
Alles steht und fällt mit einem guten naturwissenschaftlichen Unterricht
Der Fachkräftemangel beginnt schon in der Schule – nämlich bei den Lehrern. Nicht nur die Wirtschaft hat Schwierigkeiten, gute Ingenieure und Techniker zu bekommen, auch in den Schulen fehlen Lehrer für die naturwissenschaftlichen Fächer. Hier entsteht ein Teufelskreis. Denn wenn der Unterricht nur sporadisch erteilt werden kann, lässt sich kaum die Begeisterung für die Naturwissenschaft entfachen. Jugendliche aber, die Naturwissenschaft und Technik nicht als spannend erleben, werden nicht nur nicht Ingenieur sondern auch nicht Lehrer für diese Fächer.
Dabei müssen die Weichen für ein Studium natur- und ingenieurwissenschaftlicher Fachrichtungen oder für eine technische Ausbildung früh gestellt werden. Das Interesse muss schon in Kindergarten und Grundschule geweckt und dann wach gehalten werden. Gerade in diesem Alter interessieren sich die Kinder besonders für Naturphänomene, stellen die berühmten „Warum“-Fragen, wollen verstehen, warum etwas so und nicht anders funktioniert. Die Lernfor¬schung hat bewiesen, dass Kinder naturwissenschaftliche Gesetze schon früh begreifen können. Nicht mithilfe von Formeln und Definitionen, auf die der herkömmliche Unterricht oft aufbaut, sondern durch Ausprobieren und mit ein wenig Anleitung.
Überhaupt wird im Unterricht zu wenig experimentiert. Gerade das Experimentieren macht aber häufig die Faszination von Naturwissenschaft und Technik aus. Wir bringen unsere Kinder damit um die Freude und den Eifer beim Tüfteln und Ausprobieren, um den Stolz über ein geglücktes Experiment und möglicherweise um die selbst gewonnene Erkenntnis.
Experimentieren im Unterricht ist nicht ohne Risiko, denn schließlich muss mit Chemikalien hantiert werden bzw. müssen Versuchsaufbauten achtsam behandelt werden, weil Geräte und Materialien teuer sind. Aber verzichten sollte man darauf nicht, denn forschendes Lernen ist der wichtigste Zugang zur Naturwissenschaft.
Tecnopedia ist Hilfe zur Selbsthilfe
Die Industrie- und Handelskammern bieten ein neues Internetportal für die Verbesserung der naturwissenschaftlich technischen Bildung von Schülerinnen und Schülern. (www.ihk-tecnopedia.de).
Tecnopedia soll Lehrerinnen und Lehrern helfen, ihren Unterricht in Naturwissenschaften und Technik praxisnah und experimentierfreudig zu gestalten. Das Portal bietet Experimente für den Einsatz im Unterricht an, stellt aber auch die Verknüpfung zu regionalen Praxisangeboten her. Diese sind nach Postleitzahlbereichen recherchierbar, so dass leicht ersichtlich ist, welche Unterstützung Schulen in ihrem regionalen Umfeld finden können.
„Wir wollen, dass Lehrerinnen und Lehrer die Scheu vor dem Experimentieren in der Klasse verlieren und dass sie praktische Unterstützung in ihrem unmittelbaren Schulumfeld finden“, sagte Dr. Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) anlässlich der Freischaltung des Portals.
Für Unternehmen bietet Tecnopedia die Möglichkeit, Kontakte zu Schulen aufzubauen und sie bei der naturwissenschaftlich-technischen Bildung zu unterstützen. „Unternehmen können dadurch früh ihren potenziellen Nachwuchs für Berufe in Forschung und Technik begeistern und sich damit ein breites Fachkräfte¬potenzial sichern“, bestätigte Dr. Michael Römer, Vorstandsmitglied der Darmstädter Firma Merck und Präsident der IHK Darmstadt.
Tecnopedia ist ein Angebot von derzeit 28 Industrie- und Handelskammern, weitere IHKs planen eine Beteiligung. DIHK und IHK Darmstadt koordinieren gemeinsam das Projekt.
tecnopedia bietet:Experimente aus Naturwissenschaft und Technik vom Kindergarten bis zur Oberstufe zum Einsatz in Unterricht, Mit-Mach-Labors und Science Centern Unternehmensangebote zu Technik und Technologie, vom Unternehmensbesuch bis zum SchülerlaborInformationen zu Karrieren in naturwissenschaftlichen und technischen BerufenVerzeichnisse und Kalender zu regionalen Angeboten und Veranstaltungen zum Entdecken von Naturwissenschaft und Technik Foren zum ErfahrungsaustauschDie IHKs wollen mit Tecnopedia möglichst alle Informationen zur Förderung von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik in ihrer Region bündeln. Sie rufen deshalb alle regionalen Akteure auf, ihre Angebote in Tecnopedia einzustellen. Die Eingabe erfolgt über spezielle Eingabemasken und ist einfach zu handhaben. Machen Sie mit! – Schlagen Sie Experimente vor! Stellen Sie Ihr Unternehmen vor! Demonstrieren und erklären Sie Technik! Bieten Sie Ihre Veranstaltungen auf Tecnopedia an! - Machen Sie Schule!
Ihre Angebote können Sie selbst über www.ihk-tecnopedia.de in die dafür vorgesehenen Eingabemasken einpflegen. Gern ist Ihnen dabei auch die IHK behilflich.